Margot Bieker

In den katholischen Ortschaften um Amöneburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf, besteht ein Jahrhunderte alter Brauch, zu Ostern nach überlieferten Motiven und Ornamenten Ostereier zu malen. Diese wurden früher von Mädchen an ihre Freunde und von Patentanten an ihre Patenkinder verschenkt. Auch die "Prominenz" des Dorfes, also Pfarrer, Lehrer und, wenn vorhanden, Arzt wurden so bedacht. Dieser Brauch war noch in den 1950er Jahren lebendig.
Die Hühnereier blieben früher voll und roh. In der heutigen Zeit werden sie meist ausgeblasen. Auf Ostereiermärkten sind diese traditionellen oberhessischen Ostereier sehr begehrt. Mit einer Stahlfeder (früher Gänsekiel) werden die Eier mit heißem, flüssigem Bienenwachs bemalt und beschriftet und dann in ein heißes Farbbad gelegt; danach wird das weich gewordene Wachs abgewischt und die gemalten Ornamente und Beschriftungen kommen als Negative zum Vorschein.

Die Sprüche sind das eigentlich Kennzeichnende der Ostereier des Amöneburger Raums. Sie werden in deutscher Schrift aufgetragen und beinhalten neben frommen Belehrungen Motive der Liebe, Freundschaft und Treue.

(von Albert Bieker)

Spruchliste

Wie im bunten Kranz verbunden
Blumen sich an Blumen reihn,
mögen Deine Lebensstunden
Heiter und stets fröhlich sein

Wandle froh und ohne Sorgen
heiter in den Tag hinein,
und ein froher Ostermorgen
wird auch dir beschieden sein.

Nie verlerne so zu lachen
wie du jetzt lachst, froh und frei,
denn ein Leben ohne Lachen
ist ein Frühling ohne Mai.

Es schwindet die Freude, es dauert kein Leid,
die Jahre verrauschen im Strome der Zeit.
Die Sonne wird sinken, die Welt wird vergehn,
doch Liebe bleibt immer und ewig bestehn.