Margot Bieker

Ostereier aus Mardorf und Erfurtshausen

(von Margot Bieker)

200 jährige Tradition in den Dörfern des Amöneburger Beckens, besonders lebendig in Mardorf und Erfurtshausen.

Geschichte

Das Verzieren, Bemalen und Beschriften von Eiern zum Osterfest hat in den katholischen Dörfern rund um die Amöneburg im heutigen Landkreis Marburg-Biedenkopf eine sehr lange Tradition; sie kann bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgt werden.

Die auf den Eiern aufgetragenen Muster, Formen und Sprüche sind ähnlich lange überliefert.

Zweck und Funktion

Die bemalten und mit Sprüchen versehenen Ostereier wurden von jungen Mädchen als Liebesgaben für ihren 'Liebsten' angefertigt. Am Abend des zweiten Ostertages begab sich der junge Bursch zum Haus seines Mädchens, stieg auf einer Leiter zum Fenster der Liebsten empor und nahm die verzierten Eier, eingeschlagen in einem 'Herzschnupftuch', in Empfang. Dieser Brauch war noch in den 1950er Jahren lebendig. Heute wird die traditionelle Ostereiermalerei von vielen Frauen und Mädchen zum Zwecke der Erhaltung des Brauchtums gepflegt.

Maltechnik

Die Technik der Ostereiermalerei im Amöneburger Becken ist eine einfarbige Bienenwachsmalweise. Das rohe Hühnerei wird mit erhitztem flüssigem Bienenwachs mittels einer Stahlfeder bemalt und beschriftet. Danach wird das verzierte Ei so lange in heiße Batik-Farbe (früher Naturfarbe) getaucht, bis das Wachs weich geworden ist. Das Ei wird aus dem Farbbad genommen und das Wachs abgewischt. An den frei gewordenen Stellen kommt die Naturfarbe des Eis zum Vorschein; die gemalten Ornamente und geschriebenen Sprüche erscheinen als Negativ.

Muster, Formen, Sprüche und ihre Bedeutung

Die auf die Ostereier gemalten Muster und Formen haben oft religiöse Bezüge. Sie versinnbildlichen zum großen Teil das österliche Geschehen im Zusammenhang mit dem Tod und der Auferstehung Christi ('Sonnenrad' als Hinweis auf die Auferstehung, 'Brot- und Wein-Motiv' als 'Lebensbaum', 'Kreuz' des Glaubens, 'Anker' der Hoffnung). Weitere Muster und Motive sind 'Feldblumen', 'Sterne', 'Ranken' und 'Girlanden'. Diese Motive und Muster finden sich auch in der Tracht wieder, die bis heute (ältere Frauen) im Umkreis von Amöneburg getragen wird: auf Strümpfen, Borten, Halstüchern, Schürzen der Frauen und auf den weißen Leinenhemden der Männer. Auch im Fachwerk-Kratzputz sind sie anzutreffen.